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Wut ist gut. Ja, stimmt. Und sehr nett.

Aber wer lebt das auch wirklich? Wer kann heutzutage noch mit Wut umgehen, geschweige denn, sie zu äußern?

Wut gehört zu uns, wie Liebe und Angst auch. Gesellschaftlich ist sie aber das schwarze Schaf der Emotionen. Wo positive Gefühle zuhause sind, will man von Wut nichts wissen. Angst geht noch so. Aber Wut? Nein, danke.

Wut ist gesellschaftlich verpöhnt, unsozial und ein Zeichen von Schwäche.

Dabei ist Wut ein Teil von uns, wie jedes andere Gefühl auch. Wir haben nur verlernt damit umzugehen. Stell dir vor, wie du reagieren würdest, wenn dir jemand wütend begegnet?

Lass uns davon ausgehen, dass es in dieser Situation gerechtfertigt ist und dieser Jemand allen Grund dazu hat, wütend zu sein. Vielleicht hast du ihm wissentlich oder unwissentlich etwas angetan. Jedenfalls ist diese Person sauer auf dich und zeigt es dir.

Nimm dir einen Moment Zeit, bevor du weiter liest und stell dir das Szenario vor. Inklusive deiner ehrlichen Reaktion.

Die meisten Menschen sind mit der Emotion überfordert. Man kann sie nicht einordnen, weil sie nicht in andere Gefühle passt und die Wut selbst nicht adäquat gelten darf. Also sucht man andere Emotionen, um ihr aus dem Weg zu gehen. Um sie zu beseitigen.

Wir reagieren entweder mit Zorn, Unverständnis oder Ärger, weil es anmaßend ist, sich seiner Gefühle so mir nichts dir nichts zu entledigen.

Wir reagieren mit Ignoranz, weil wir es als mentale Schwäche abtun, die nicht ernst genommen werden sollte.

Und die Kommunikationsexperten unter uns reagieren mit Konfliktlösungsstrategien, á la beschwichtigen, verstehen und Lösungen suchen.

Wenn wir jemanden wütend machen, ist das ein Zeichen für Beziehung. Nicht das Gegenteil.

Und genau hier passiert etwas, das die Wut besonders macht. Jemand, der wütend ist, zeigt, was ihm wichtig ist und gibt seine (gebrochenen) Werte preis. Er teilt sich mit; suchend nach der Reibung und dem Konsens, der die Wut mildert und zu (mehr) Beziehung führt, als es zuvor schon war.

Dich macht niemand wütend, der dir völlig egal ist. Das kann nur jemand, von dem du mehr erwartest, wünschst und erhoffst, als eine anonyme Person. Es muss schon jemand sein, dem du eine Rolle in deinem Leben zuschreibst. Auch wenn es nur eine scheinbar unwesentliche ist.

Perspektivenwechsel

lass‘ uns die Sache mal umdrehen. Nicht du machst jemanden wütend, sondern du bist so richtig stinkig auf jemanden aus deinem Umfeld. Kannst du dir das überhaupt vorstellen? Wenn ja, ist das schon mal gut.

Wenn nein, würde ich dich gerne fragen, wie wichtig es dir ist, was andere von dir und deinem Tun halten und wie sehr du bereit bist, (faule) Kompromisse des Friedens Willen einzugehen?

Schwieriger wird es, wenn es sich um eine ganz konkrete Situation handelt. Lass uns mal die grauen Zellen ankurbeln und in der Erinnerungskiste kramen.

Wer hat dich denn zuletzt wütend gemacht? Und wie hast du reagiert?

Kannst du dich noch daran erinnern, was es war und wie es dazu kam? Weißt du noch, wer es war und welche Erwartungen diese Person in deinen Augen gebrochen hat? Wenn du willst, erzähl mir davon.

Meistens reagieren wir gesellschaftlich verträglich. Wir benehmen uns trotz brodelndem Vulkan in unserem Bauch, als ob wir über den Dingen stünden und versuchen, das Thema möglichst unauffällig zu behandeln.

Was wir dann machen ist,…

…wir ignorieren und belächeln unsere eigenen Gefühle. Wir schreiben ihnen Naivität zu oder finden sie kindisch.

…wir lassen die Wut dort aus, wo sie gesellschaftlich verträglich ist. In der Natur, im Fitnessstudio oder an uns selbst.

…wir projezieren sie an Menschen, die mit unserer Wut besser umgehen können, als der Betroffene. Und verletzen damit andere.

Dabei vergessen wir, dass wir ausschließlich von Menschen umgeben sind. Menschen, die lieben, lachen, verletzen und: wütend sind.

Natürlich kann Wut nicht immer unkontrolliert Platz finden. Das ist weder für Unternehmen, noch für die Menschen selbst sinnvoll.

Aber: wenn uns etwas wirklich richtig wütend macht, muss es möglich sein, diesem Gefühl Ausdruck verleihen zu dürfen, damit es eben erkannt und gesehen wird; damit etwas in Bewegung kommt und damit wir selbst – wie auch unser Umfeld – Stellung beziehen kann und wir daran wachsen. Damit sich Wut entlädt und neues Wachstum möglich wird.

Und wenn wir uns mit der Wut befassen, sogar dann befassen wir uns gegen sie.

Wir wollen wissen, wie wir Wut los werden, statt mit ihr zu tanzen.

Denn wir wollen nicht mit der Wut leben, sondern ohne. Lasst uns einfach ein bißchen mehr wütend sein.

Weil’s selten wirklich gegen jemanden gerichtet ist, sondern meistens an und mit jemanden,

Sabrina

Spread your love, DANKE!
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Fragen beantworte ich dir gerne per Mail (sabrina@sabrinakoch.com). Ich freue mich auf deine Nachricht!

Workshop mit Sabrina Koch

Sabrina Koch

About Sabrina Koch

Sabrina ist Keynote-Speaker, Life- & BusinessCoach, Supervisorin und Kunsttherapeutin. Sie hat jahrelange Erfahrung in der Arbeit mit Menschen aus unterschiedlichsten Lebensbereichen und wird im gesamten deutschsprachigen Raum gebucht. Manager und Unternehmer, aber auch Menschen in Krisen oder Jugendliche begleitet sie durch ihre motivierende Art mit Klarheit, Kreativität und Wertschätzung.

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